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Gutachtenfälle und Grundsätzliches

 

1  Gutachtenfälle im Überblick

Durch diese intensive Gutachtertätigkeit wird ein sehr enger Kontakt zwischen Fogra und Praxis gewährleistet. Bei einer Häufung von Problemfällen in bestimmten Bereichen ergibt sich regelmäßig auch die Notwendigkeit der Bearbeitung von Forschungsprojekten.

 

Offsetdruck

Im Bogenoffsetdruck liegen die Schwerpunkte der Beanstandungen in der Problematik von zu geringer Scheuer- und Wischfestigkeit der Drucke, im Ablegen der Druckfarbe und bei Trocknungsverzögerungen. Weitere Schwerpunkte sind Nichtplanlagen, Rupfen/ Aufbauen/ Abstoßen, wolkiger Ausdruck und Stauben.

Im Rollenoffsetdruck ist die seit Jahren dominante Fehlererscheinung das Brechen im Falz. Darin ändert sich trotz vermehrtem Einsatz von Rückbefeuchtungsanlagen nichts. Die Scheuer- und Wischfestigkeit sowie Probleme wegen Bahnreißern sind ebenfalls häufig vertreten. Weitere Schwerpunkte sind die Wellen- und Blasenbildung sowie Anfragen bezüglich Rupfen/Aufbauen, Stauben und wolkigem Ausdruck.

Tiefdruck

Der Tiefdruck ist im Verhältnis zu seinem hohen Anteil in der Druckbranche bei den Problemfällen eher selten vertreten. Zu den in der Fogra erstellten Gutachten kommt vermehrt das Tiefdruck-Probedruckgerät zum Einsatz, das mit einer ESA-Einrichtung und mit einer digitalen Viskositätsmessung und -regelung versehen ist.

Papier und Karton

Die Fogra bietet Druckversuche an Papieren und Kartons an, um Aussagen über die Be- und Verdruckbarkeit zu machen. Die Hauptgruppe der Interessenten sind Papierhandel und Papierfabriken, die in der Regel mehrere Sorten beurteilen lassen. Aber auch Druckereien nutzen diese Versuche als Entscheidungshilfe für die optimale Auswahl des Bedruckstoffs.

Druckveredelung

In Verbindung mit den immer kürzer werdenden Zeiten zwischen dem Druck und der Druckveredelung lässt sich eine Konzentration von Gutachten und Reklamationsfällen auf dem Gebiet des Blockens von Lackierungen, von Haftstörungen zwischen Lacken und Druckfarben und eine verminderte Folienhaftung feststellen.

Buchbinderische Verarbeitung

Nach wie vor werden Klebebindungen von Katalogen und Produkten mit kurzer Nutzungsdauer, die mit Hotmelt oder Dispersionsklebstoffen gebunden sind, häufiger reklamiert. Reklamationen nach der Fertigung von Deckenbänden betreffen vielen Fällen eine Klebeerscheinung von sich gegenüber liegenden, farbintensiven Abbildungen im Bundsteg der Buchblöcke.

Kunststoffkarten

Neben den Prüfungen, die zur Zertifizierung von Krankenversicherungskarten oder Bankgeschäftskarten notwendig sind, wird das Fogra-Kartenprüflabor auch bei der Neuentwicklung von Karten sowie zu Untersuchungen der Funktionsfähigkeit und von Prüfungen nach den Anforderungen der einschlägigen Kartennormen [z. B. ISO/IEC 10 373] herangezogen.

 

2  Grundsätzliches zum Thema Gutachtenbearbeitung

Häufig treten in der Praxis Reklamationen auf, die wegen fehlender Rücklagemuster Probleme bei der Abwicklung bereiten. So ist auch die Fogra aus diesem Grunde oft nicht in der Lage, ein Gutachten zur Klärung der genauen Ursache abzugeben. Es kann durchaus vorkommen, dass z. B. die Druckerei einen Schaden begleichen muss, bzw. starke finanzielle Einbußen erleidet, obwohl der Fehler nicht druckbedingt war. Zur eigenen Beweissicherung ist es deshalb unbedingt erforderlich, solange Proben des eingesetzten Materials aufzubewahren, bis keine Gefahr einer Reklamation mehr besteht.

Checkliste für das Zurücklegen von Mustermaterial in Druckereien

Vor dem Druck

  • Papierfeuchte messen
  • Planlage der Stapel bei Bogenoffset bzw. Verpackung der Rollen bei Rollenoffset [Kantenfehler] prüfen
  • Unbedrucktes Papier archivieren [10 bis 20 Blatt DIN A 4 von jedem Stapel bzw. von jeder Rolle]
  • Andrucke densitometrisch auswerten und protokollieren
  • Kontrollstreifen [nur Originale] mitmontieren

Während des Drucks

  • In regelmäßigen Abständen Belegbogen ziehen, kennzeichnen und archivieren

Wenn eine Reklamation aufgrund nicht sofort behebbarer Mängel zu befürchten ist:

  • Beanstandete Muster in ausreichendem Maße zurücklegen
  • Bereitstellen von kleinen Proben in luftdichten PVC-Behältern von allen in Frage kommenden Materialien wie z. B.: Druckfarbe [aus dem Farbkasten], Feuchtmittel, Feuchtmittelzusätze, Druckhilfsmittel, Waschmittel, Rubbelfarbe, Lacke, Klebstoffe...
  • Wenn Papier als Ursache vermutet wird: Vergleichspapier bereitstellen
  • Beweisstücke aufheben, wie z. B. Druckplatten und Drucktücher
  • Produktionsbedingungen protokollieren

Grundsätzlich gilt

  • Je mehr Mustermaterial bereitgestellt wird, desto einfacher wird die Gutachtenbearbeitung
  • Die Musterentnahme soll - insbesondere bei der Beanstandung von größeren Liefermengen - nach statistischen Gesichtspunkten erfolgen. Eine Hilfestellung dazu bietet die DIN ISO 186.
  • Die Muster müssen ordnungsgemäß [z. B. klimadicht, stoßfest, faltenfrei...] verpackt werden

In erster Linie gilt es aber als selbstverständlich, Reklamationen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dazu ist es erfahrungsgemäß immer wieder wichtig, bereits im Vorfeld klärende Gespräche mit dem Auftraggeber oder mit den Zulieferern [Papier- bzw. Farbhersteller] zu führen, um Missverständnisse zu vermeiden.

  

 

 

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