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Ludwig Zins

Ludwig Zins

Abteilung
Drucktechnik

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zins
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Abheben der Kartondecke

Beim Abheben der Kartondecke handelt es sich um eine Spaltung der Karton-Deckschicht während des Durchlaufs durch die Druckmaschine. Die oberste Kartonschicht hebt sich dabei partiell oder auch ganzflächig vom Kartongefüge ab (Abb. 1).

Abbildungen (von links nach rechts)

Abb. 1: Abheben der Kartondecke.
Abb. 2: Abheben der Kartondecke im Auflagendruck.
Abb. 3: Ergebnis des Probedruckes.
Abb. 4: Vergrößerter Ausschnitt der – nach dem Probedruck – manuell abgelösten Kartonschicht.

    


Mögliche Ursachen

Die Gefügefestigkeit des Kartons – also die Lagenfestigkeit bzw. Spaltfestigkeit – hat einen entscheidenden Einfluss auf das Abheben der Kartondecke. Für die Gefügefestigkeit gibt es aus früheren Untersuchungen der Fogra einen empfohlenen Mindestwert für Umschlagmaterialien von 100 N. Die zu verdruckenden Kartonsorten sollten also eine Spaltfestigkeit von >100 N aufweisen, um kartonbedingtes Abheben der Deckschicht vermeiden zu können (Prüfung nach DIN 54516).

Die Viskosität der Druckfarbe hat generell ebenfalls einen großen Einfluss auf das Abheben der Kartondecke. Ist die Druckfarbe oder die Druckmaschine z. B. noch zu kalt, so ist die Viskosität der Druckfarbe noch zu hoch und demnach auch die auf die Kartonoberfläche wirkende Zugkraft.

Der in der Druckmaschine herrschende Anpressdruck hat weiterhin einen Einfluss auf das Abheben der Kartondecke. Bei zu hohem Anpressdruck ist die Belastung auf die Kartonoberfläche zu hoch und kann das Spalten der Kartondecke hervorrufen.

Die Drucktuchzurichtung bzw. die Beschaffenheit des Drucktuches stellen weitere negative Einflüsse dar. Bei unzureichender Drucktuchzurichtung können Walkkräfte auftreten, es entstehen Abwicklungsprobleme und die Beanspruchung auf die Kartonoberfläche wird zu hoch bzw. ungleichmäßig. Mit zunehmendem Alter des Drucktuchs bzw. durch den Einsatz von sich ungünstig verhaltenden Reinigungsmitteln nimmt die Klebrigkeit der Drucktücher zu. Durch die Klebrigkeit des Drucktuchs wird die Beanspruchung auf die Kartonoberfläche zu hoch.

Eine übermäßig hohe Druckgeschwindigkeit kann ebenfalls eine zu hohe Beanspruchung der Kartonoberfläche bewirken.


Mögliche Abhilfen

Druckgeschwindigkeit auf ein akzeptierbares Maß reduzieren.

Druckbeistellung prüfen.

Bei kartonbedingtem Abheben Wechsel auf eine Alternativqualität vornehmen und/oder die Druckbeistellung größtmöglich reduzieren.

Eventuell die Viskosität der Druckfarbe reduzieren.

Von der Planung der Druckaufträge her berücksichtigen, dass die Druckjobs mit Karton als Bedruckstoff erst dann gedruckt werden, wenn gewährleistet ist, dass die Druckmaschine normale Betriebstemperatur hat.

Zustand der Drucktücher und die Aufzugsstärke regelmäßig kontrollieren.

Generell sollten nur Reinigungsmittel eingesetzt werden, die von der Fogra zertifiziert wurden. Ist dies nicht der Fall, können übermäßige Drucktuchquellung und Schäden an Dichtungen und Schläuchen der Druckmaschine auftreten. Die Druckmaschinenhersteller übernehmen bei Einsatz von nicht zertifizierten Reinigungsmitteln keine Garantie für aufgetretene Schäden an der Druckmaschine.


Beispiele

Partielles Abheben der Kartondecke:

Beim Bedrucken eines einseitig gestrichenen Kartons im Bogenoffset trat ein partielles Abheben (Abb. 2) der Kartondecke auf. Trotz Optimierung der Einstellungen an der Druckmaschine konnte die Auflage nicht fehlerfrei gedruckt werden. Die einzige zum Erfolg führende Maßnahme war eine drastische Reduzierung der Druckgeschwindigkeit auf 4.500 Bg/h. Dieser Schritt war jedoch für den Druckereibesitzer nicht zufriedenstellend, da aufgrund der hohen Auflagenzahl mit zeitlich erheblichem Mehraufwand zu rechnen war. Da in absehbarer Zeit keine Ersatzqualität für den Karton zur Verfügung gestellt werden konnte, musste jedoch mit der reduzierten Druckgeschwindigkeit produziert werden. Der Kartonhersteller lehnte die vom Drucker geforderten Mehrkosten ab, da man der Meinung war, die Produktionsdaten des Kartons lägen im üblichen Rahmen. Zur Ursachenklärung wurde der Fogra dieser Schadensfall übergeben.

Im ersten Untersuchungsschritt erfolgte die Prüfung der Spaltfestigkeit des Kartons. Die Werte für diese Untersuchung lagen mit 107 N im „Grenzbereich“. Im nächsten Schritt wurde die Bedruckbarkeit im Probedruckgerät (System prüfbau) untersucht. Hierbei zeigte sich an der gestrichenen Seite unter Standardprüfbedingungen (Rupftestfarbe Nr. 2, 200 N/cm Liniendruck, 1,5 m/s Druckgeschwindigkeit) eine deutliche, kartonbedingte Tendenz zum Abheben der Kartondecke (Abb. 3 und Abb. 4). Nach diesen Ergebnissen musste die Reklamation mit einem kartonbedingten Mangel begründet werden. Der Kartonhersteller erstattete dem Drucker die entstandenen Mehrkosten.


Allgemeine Hinweise

Für den Reklamationsfall

Druckausfallmuster sicherstellen.

Unbedruckte Kartonmuster und unbedruckte Vergleichsmuster sicherstellen (ca. 20 Blatt DIN A4). An diesen Mustern können im Labor vergleichende Spaltfestigkeitsprüfungen und Probedrucke mit Labor-Probedruckgeräten vorgenommen werden.

Produktionsdaten protokollieren.


Ergänzende Literatur

KIRMEIER, M.:
Da hebt er ab...
In: Druckwelt 12, 1994 (S. 83)

WALENSKI, W.:
Rupfen im Offsetdruck. Tipps und Tricks oder wie man dem Rupfen im Offsetdruck beikommen kann.
In: Offsettechnik, Nr. 10, 1988 (S. 32)

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