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Ludwig Zins

Ludwig Zins

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Drucktechnik

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Ablegen/Abschmieren im Stapel

Unter Ablegen/Abschmieren im Stapel versteht man die Übertragung der frischen Druckfarbe auf die Rückseite des nachfolgenden Bogens im Auslagestapel der Druckmaschine. Es resultiert im Stapel beim untenliegenden Bogen eine Fehlstelle im Druck und beim Nachfolgebogen durch die übertragene Druckfarbe eine Verschmutzung der unbedruckten Rückseite bzw. des Druckbildes bei beidseitigem Druck (Abb. 1 und Abb. 2).

Abbildungen (von links nach rechts)

Abb. 1: Fehlstellen im Druck wegen Ablegen der Druckfarbe im Stapel.
Abb. 2: Verschmutzung des Folgebogens wegen Ablegen der Druckfarbe im Stapel.
Abb. 3: Wegschlagtest mit langsam wegschlagendem Papier (Zeitverlauf:15 s bis 120 s).
Abb. 4: Wegschlagtest mit schnell wegschlagendem Papier (Zeitverlauf:15 s bis 120 s).
Abb. 5: Trockenzeitprüfgerät der Fa. prüfbau.
Abb. 6: Ergebnis des Trockenzeittests mit Farbreihenfolge Cyan-Magenta.
Abb. 7: Ergebnis des Trockenzeittests mit Farbreihenfolge Magenta-Cyan.

       


Mögliche Ursachen

Das Wegschlagverhalten des Bedruckstoffs und/oder der Druckfarbe hat einen großen Einfluss auf das Ablegen. Bei zu langsamem Wegschlagverhalten von Bedruckstoff und/oder Druckfarbe verbleibt im Moment des Kontaktes mit dem Folgebogen ein hoher Anteil der noch nicht verfestigten Druckfarbe an der Bedruckstoffoberfläche und wirkt wie eine adhäsive Schicht. Durch den steigenden Stapeldruck kommt es dann zu einer Verfestigung zwischen den aufeinanderliegenden Bogen. Beispiele von Papieren mit langsamem und normal schnellem Wegschlagverhalten sind auf den Abb. 3 und Abb. 4 dargestellt.

Wenn der oxidative Trocknungsprozess verzögert abläuft, können ebenfalls Ablegeerscheinungen auftreten. Wird kein Druckbestäubungspuder oder ein Puder mit zu geringer Korngröße eingesetzt, kann das zu Verzögerungen der oxidativen Trocknung führen. Das Druckbestäubungspuder gewährleistet einen gewissen Abstand und somit den Einschluss von Sauerstoff (Luftkissenbildung) zwischen den bedruckten Bogen.

Bei leichteren Papieren findet im Auslagestapel gegenüber schwereren Papieren bzw. Kartons eine bessere Luftkissenbildung statt. Aus diesem Grund können zu hohe Stapel bei schweren Kartons das Ablegen ungünstig beeinflussen.

Die Farbschichtdicke hat einen generellen Einfluss auf die Druckfarbentrocknung. Je höher die Farbschichtdicke ist, desto langsamer verläuft die Trocknung und desto größer ist die Gefahr des Ablegens.

Der pH-Wert des Feuchtmittels spielt ebenfalls eine Rolle. Sinkt der pH-Wert des Feuchtmittels unter 4,5, ist mit Trocknungsverzögerungen und somit mit Ablegen zu rechnen.

Werden Zusatzstoffe der Druckfarbe, insbesondere Trockenstoffe, nicht im richtigen Maß dosiert, können Trocknungsverzögerungen und somit Ablegen auftreten.

Das Emulgieren der Druckfarbe mit Feuchtmittel beeinflusst die Trockenzeit. Bei übermäßig emulgierter Druckfarbe resultieren Trocknungsverzögerungen; die Gefahr des Ablegens steigt.

Wird beim Bedrucken von speziellen Papieren - z. B. gussgestrichene Papiere - mit zu hohen Stapeln produziert, steigt die Gefahr des Ablegens.

Bei der Lagerung von Drucken kann durch partielle Überbelastung, wie es beim Übereinanderstapeln von Paletten möglich ist, Ablegen auftreten.

Bei starker Ausnutzung des Bogenformates bis zur Hinterkante ist eine Rolltendenz der Bogen nicht auszuschließen, wodurch ein Ablegen der Druckfarbe vornehmlich an der gewölbten Hinterkante hervorgerufen wird.

Nicht planliegendes Papier kann ein partielles Ablegen verstärken.

Bei starker elektrostatischer Aufladung von Papier nach dem Druck kommt es im Auslagestapel zum Aneinanderhaften der bedruckten Bogen. Die Abstandshaltung durch das Druckbestäubungspuder und der Luftkisseneffekt sind dann nicht mehr gewährleistet, was das Ablegen ungünstig beeinflussen kann.


Mögliche Abhilfen

Im Bogenoffset ist grundsätzlich, um Ablegen zu vermeiden, eine optimale Abstimmung der Kombination: Druckfarbe/Papier dringende Voraussetzung. Dies kann am besten in einem Druckversuch oder im Labor erfolgen. Auf diese Art können gut verträgliche Kombinationen ausgetestet und für zukünftige Aufträge eingesetzt werden. Der Einsatz einer „Standarddruckfarbe“ für alle Papiersorten wäre zwar wünschenswert, Praxisergebnisse beweisen allerdings immer wieder, dass dies nicht realistisch ist. Sofern der Drucker Einfluss auf die Wahl des Papiers hat, sollten Papiere mit schnellem Wegschlagverhalten eingesetzt werden. Ebenso sollten Druckfarben mit schnellem Wegschlagverhalten eingesetzt werden.

Achtung: Zu schnelles Wegschlagen hat Abmehlen (siehe dort) zur Folge.

Übermäßig hohe Farbschichtdicken, die zu Trocknungsverzögerungen führen, sind reprotechnisch durch den Einsatz von UCR (Unterfarbenreduzierung) zu vermeiden. Weiterhin empfiehlt sich der Einsatz von Papieren und/oder Druckfarben mit hoher Ergiebigkeit. Bei Druckfarben oder Papieren mit hoher Ergiebigkeit können im Vergleich zu Materialien mit geringerer Ergiebigkeit gleiche Farbdichten im Druck mit geringerer Farbschichtdicke erzielt werden.

Zusatzstoffe oder Trockenstoffe sind in der vom Hersteller angegebenen Dosierung anzusetzen.

Der pH-Wert des Feuchtmittels sollte nicht kleiner als 4,5 sein.

Beim Bedrucken von Spezialpapieren (z. B. Transparentpapiere) oder Folien ist es ratsam, sich in Gesprächen mit dem Druckfarbenhersteller eine günstige Kombination aus Druckfarbe, Zusatzstoffen und Feuchtmittel empfehlen zu lassen.

Übermäßiges Emulgieren der Druckfarbe sollte durch optimale Einstellung des Druckfarbe/Feuchtmittel-Gleichgewichts vermieden werden. Bei geringer Farbabnahme empfehlen sich Farbabnahmestreifen am Rand der Druckform.

Wenn vorhanden, sollte im Bogenoffset mit IR-Trocknung gedruckt werden. Die IR-Trocknung bewirkt durch Viskositätsverminderung der Mineralöle verbessertes Wegschlagen der Druckfarbe und durch die Temperaturerhöhung im Stapel eine Beschleunigung des oxidativen Trocknungsprozesses.

Beim Bedrucken von speziellen Papieren (z. B. gussgestrichene Papiere) und schweren Kartons ist es empfehlenswert, niedrige und dafür mehrere Stapel zu produzieren.

Bei der Lagerung von Drucken ist darauf zu achten, dass keine partiellen Überbelastungen entstehen.

Wichtig sind auch die richtige Auswahl der Korngröße des Druckbestäubungspuders und die richtige Einstellung der Bestäubungsdüsen.

Zur Vermeidung des Einrollens von Bogen nach dem Druck sollte, wenn möglich, bei der Sujetverteilung darauf geachtet werden, dass farbintensive Flächen in der vorderen Bogenhälfte gedruckt werden.

Nichtplanlage des Papiers kann durch einen Streckgang, jedoch bei zusätzlichem Zeitaufwand, kompensiert werden.


Beispiele

Ablegen wegen falscher Farbreihenfolge:

Bei diesem Reklamationsfall handelt es sich um einen 4/4-farbigen Verpackungsdruck auf beidseitig gestrichenem Karton. Seitens der Druckerei wurde der Karton wegen Neigung zum Ablegen reklamiert. Der Drucker verwendete nach seiner Aussage handelsübliche Bogenoffsetfarben für Karton und gab zusätzlich an, in den Druckwerken Cyan und Magenta die Farbreihenfolge vertauscht zu haben. Es wurde also in der Farbreihenfolge Schwarz-Magenta-Cyan-Gelb gedruckt. Beim Hauptfarbton der Verpackung handelt es sich um ein rötliches Blau mit hohem Anteil von Cyan.

Der FOGRA wurden zur Ursachenermittlung unbedruckte Muster des Auflagenkartons und Druckfarbenproben übersandt. Bei den Untersuchungen stand die Frage im Vordergrund, ob sich durch das Vertauschen der Farbreihenfolge die Trocknungseigenschaften verändert hatten. Um diesen Einfluss zu prüfen, erfolgten Probedrucke mit richtiger Farbreihenfolge (Cyan-Magenta) und Probedrucke mit der geänderten Farbreihenfolge (Magenta-Cyan). Unmittelbar nach Erstellen der Drucke wurden die zweifarbig nass-in-nass bedruckten Streifen einem Trockenzeittest unterzogen. Bei diesem Test wird der frische Druck mit unbedrucktem Papier gekontert. Dieses „Sandwich“ läuft mit gleichbleibender Geschwindigkeit bei definiertem Anpressdruck zwischen ein Walzenpaar (Abb. 5). Solange dabei die Druckfarbe nicht trocken ist, ergibt sich auf dem unbedruckten Konterpapier ein Farbabdruck. Die Länge der Konterspur kann nach dem Test unter Berücksichtigung der Durchlaufgeschwindigkeit in die Trockenzeit umgerechnet werden. Die Testergebnisse wiesen dabei für beide Variationen der Farbreihenfolge in etwa gleiche Trockenzeit (Abb. 6 und Abb. 7) auf. Ein wesentlicher Unterschied zeigte sich aber im Farbeindruck. Bei der richtigen Farbreihenfolge Cyan-Magenta ergab sich gegenüber der falschen Farbreihenfolge Magenta-Cyan ein wesentlich bläulicherer Farbton (Abb. 6 und 7).

Da der zu erzielende Farbton des Auflagendrucks eher dem der richtigen Farbreihenfolge entsprach, sah sich der Drucker gezwungen, bei falscher Farbreihenfolge die Farbdichte im Cyan wesentlich zu erhöhen, um den gewünschten Blauton zu erzielen. Farbdichtemessungen bestätigten dies und ergaben für Cyan einen densitometrischen Farbdichtewert von 2.1. Üblicherweise wird bei gestrichenen Materialien mit einer Farbdichte im Cyan von ca. 1.5 bis 1.6 gedruckt. Das Ablegen wurde also letztendlich wegen partieller Überfärbung im Cyan, wiederum zurückzuführen auf die falsche Farbreihenfolge, hervorgerufen.


Allgemeine Hinweise

Für den Reklamationsfall

Druckausfallmuster sicherstellen.

Unbedruckte Papiermuster und unbedruckte Vergleichsmuster sicherstellen (ca. 20 Blatt DIN A4). An diesen Mustern können im Labor vergleichende Wegschlagtests, Probedrucke und Trockenzeittests vorgenommen werden.

Druckfarbenproben (aus dem Farbkasten) und evtl. Vergleichsfarben sicherstellen.

Zusatzstoffe bereitstellen.

Stapel auf Planlage prüfen.

Flächendeckungsgrad in den Bildtiefen ermitteln.

Produktionsdaten protokollieren.


Ergänzende Literatur

WEISSENBORN, M.:
Ablegen, Abschmieren, Verblocken.
In: Print & Produktion, Mag. 7 (1994), Nr. 7 - 8, S. 22 - 23

FALTER, K.-A.:
Anforderungen des Offset-Verfahrens an gestrichene Papiere.
In: Wochenblatt für Papierfabrikation, (1973), Nr. 17, S. 664-668

WALENSKI, W.:
Wann welches Druckhilfsmittel? (Marktübersicht-Druckhilfsmittel im Offsetdruck).
Bergisch Gladbach: Zanders Feinpapiere AG, Bibliothek Papier + Druck

PANTEL, G.:
Fehlern auf der Spur - Aktuelle Problemfälle aus der Gutachtertätigkeit der Fogra.
In: Fogra-Symposium „Papiere und Druckfarben“ (1995) - Tagungsbericht

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