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Ablösen der Kaschierfolie im Falzbereich

Durch das Falzeinbrennen bei der Buchherstellung kann es zu einem Ablösen der Kaschierfolie im Falzbereich kommen. Das Ablösen der Folie tritt in der Regel nicht unmittelbar nach dem Falzeinbrennen auf, sondern ist erst nach einer gewissen Zeit bzw. einige Wochen zu beobachten. Das Ablösen der Folie wirkt je nach Grad der Ausbildung von „verkaufsmindernd“ bis hin zu „unverkäuflich“ (Abb. 1).

Abbildungen (von links nach rechts)

Abb. 1: Ablösen der Kaschierfolie im Falzbereich.
Abb. 2: Schnitt durch einen Deckenband vor und nach dem Falzeinbrennen.
Abb. 3: Schnitt durch das Deckenbezugsmaterial im Falzbereich nach Auftreten einer Ablösung der Kaschierfolie (REM).
Abb. 4: Schnitt durch das Deckenbezugsmaterial im Falzbereich nach Auftreten einer Ablösung der Kaschierfolie (REM).
Abb. 5: Schnitt durch das Deckenbezugsmaterial im Falzbereich ohne Ablösung der Kaschierfolie (REM).

     


Mögliche Ursachen

Für folienkaschierte Umschlagmaterialien stellt das Einbrennen des Falzes eine starke Belastung bei der Buchherstellung dar. Bei diesem Vorgang während der buchbinderischen Weiterverarbeitung wird zwischen den Buchdeckeln und dem Rücken der Deckenbände mit Wärme und Druck auf die Falzeinbrennschienen aus der Buchdecke in den Falzen ein Gelenk geformt, dass das Aufklappen der Buchdeckel ermöglicht und einen formschöneren Buchrücken ergibt (Abb. 2).

Das Falzeinbrennen erfolgt in der Buchfertigungsstraße als letzter Arbeitsgang. Zum Falzeinbrennen werden von den Herstellern unterschiedlich geformte Falzeinbrennschienen angeboten. Diese Schienen werden beheizt und meist bei Temperaturen zwischen 90 °C und 110 °C mit Druckbelastung auf den Falzbereich gepresst. Bei der Deckenfertigung wird das Deckenbezugsmaterial vollflächig mit Gallert-Klebstoff beschichtet. Auf das beleimte Deckenbezugsmaterial werden dann die Buchdeckel und die Rückeneinlage aufgepresst. Die Falzbereiche bleiben dabei frei, sind aber von dem Gallert-Klebstoff bedeckt. Die Gallerte wird nun beim Einbrennen des Falzes thermisch aktiviert und verklebt mit der äußersten Lage des Buchblocks, nämlich mit dem Hinterklebematerial.

Auf das kaschierte Deckenbezugsmaterial wirkt also einige Sekunden lang eine hohe Temperaturbelastung und durch das Aufpressen der Falzeinbrennschiene eine mechanische Zugbelastung ein. Besonders die Bereiche der Einschläge an den Rändern der Buchdecken gelten als besonders gefährdet für Ablösungen der Kaschierfolie, da dort der Druck höher ist als in den inneren Bereichen des Falzes.

Erfahrungsgemäß löst sich im Schadensfall die Kaschierfolie erst in einem gewissen Zeitabstand nach dem Falzeinbrennvorgang ab. Dies beruht auf der Tatsache, dass sich die beim Falzeinbrennvorgang gedehnte Folie im Laufe der Zeit – anders als das Papier – wieder zusammenzieht und dadurch Rückstellkräfte aus dem Falz heraus entstehen. Wenn nun die Adhäsion zwischen der Kaschierfolie und der Klebstoffschicht oder zwischen der Klebstoffschicht und der Druckoberfläche zu gering ist, kommt es zur Ablösung der Kaschierfolie.


Mögliche Abhilfen

Der Buchbinder steht dem Problem der Kaschierfolienablösung relativ hilflos gegenüber, da sich zum Zeitpunkt der Produktion in den meisten Fällen nicht eindeutig ermitteln lässt, ob die gewählte Materialkombination für das Falzeinbrennen gut geeignet ist. Lassen sich bereits während der Produktion Ablösungsprozesse im Falzbreich feststellen, so kann mitunter durch eine Temperaturreduzierung in den Einbrennschienen ein Ablösen vermieden werden.

Um eindeutige Aussagen über eine problemlose Verarbeitbarkeit der Verarbeitungsmaterialien zu bekommen, sind gezielte Vorversuche mit anschließenden Alterungsversuchen die einzig sichere Alternative.


Beispiele

Versuche mit verschiedenen Materialkombinationen:

Für Falzeinbrennversuche wurden aus verschiedenen Materialkombinationen (Folie/Klebstoff/Druckbogen) Buchdecken bzw. Bücher gefertigt. An den so gefertigten Büchern erfolgten anschließend Falzeinbrennversuche in Buchbindereien und im Labor.

Die verschiedenen Materialkombinationen wurden mit unterschiedlichen Falzeinbrennschienen bei Temperaturen zwischen 70 °C und 110 °C verarbeitet. Als Einbrennzeiten wurden 2 s aber auch überdurchschnittlich lange Einbrennzeiten von 5 s oder 10 s gewählt. Unmittelbar nach dem Falzeinbrennvorgang erfolgte eine visuelle Kontrolle der eingebrannten Falze.

Alle getesteten Kombinationen konnten zunächst ohne Folienablösungen verarbeitet werden. Selbst im Bereich der Einschläge an den Rändern der Buchdecken traten bei den getesteten Materialkombinationen keine Folienablösungen auf. Um mögliche, zeitlich spätere Ablösungen der Kaschierfolie im Falz der Bücher zu beschleunigen, wurden die Bücher eine Woche lang bei 40 °C gelagert und nach Rekonditionierung auf eine Raumtemperatur von 20 °C im Falz erneut visuell kontrolliert. Dabei kam es bei bestimmten Materialkombinationen zu Ablösungen. Bei anderen Kombinationen traten die Ablösungen jedoch erst im Zeitraum von bis zu 3 Monaten nach der beschriebenen Warmlagerung der Bücher auf.

Bereiche, in denen solche Folienablösungen aufgetreten sind, wurden mittels Rasterelektronenmikroskopie untersucht. Dabei konnte festgestellt werden, dass der Klebstoff auf der Druckoberfläche verblieb. Dies muss jedoch nicht immer so sein. Der Klebstoff verbleibt auf dem Material, zu dem er eine stärkere Adhäsion aufweist (Abb. 3 und Abb. 4). Die Versuche zeigten aber auch, dass manche der eingesetzten Materialkombinationen unempfindlich gegenüber dem Auftreten von Folienablösungen innerhalb des Beobachtungszeitraums waren (Abb. 5).


Allgemeine Hinweise

Für den Reklamationsfall

Reklamierte Muster sicherstellen.


Ergänzende Literatur

KUEN, Th.; HUNDSDORFER, O.:
Anforderungen an die Glanzfolienkaschierung für Umschläge und Buchdecken.
Wiesbaden/München: Bundesverband Druck und Medien e.V. / Fogra, 1998 (72.002) – Forschungsbericht

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