Login

Login




Registrierung
.
Passwort vergessen?
.

 


Ihr Schritt in eine
erfolgreiche Zukunft:

Verbindung 120

Werden Sie jetzt
Fogra-Mitglied!

Und profitieren Sie sofort von allen Vorteilen der

Fogra-Mitgliedschaft


Besuchen Sie auch den
Fogra-Online-Shop:

www.fogra-shop.com


Ihr Ansprechpartner

Ludwig Zins

Ludwig Zins

Abteilung
Drucktechnik

E-Mail
zins
transparent 11x15@fogra.org

Telefon
+49 89. 431 82 - 471

Abmehlen

Das Farbpigment lässt sich von der bedruckten Papier- bzw. Kartonoberfläche abwischen, obwohl die Druckfarbe durchgetrocknet ist. Die Folge dessen ist eine unzureichende Wischfestigkeit der Drucke oder Karbonieren (siehe Beispiele). In beiden Fällen wirkt sich dies in störendem Farbabrieb während der Druckweiterverarbeitungsprozesse oder während des Gebrauchs der Drucke aus (Abb. 1).

Abbildungen (von links nach rechts)

Abb. 1: Abmehlen von schwarzer Druckfarbe.
Abb. 2: Farbabrieb nach der Druckweiterverarbeitung wegen schlechter Wischfestigkeit des Drucks.
Abb. 3: Wischfestigkeitstest mit dem Fogra-WIKAT.
Abb. 4: Wegschlagtest des Auflagenpapiers.
Abb. 5: Wegschlagtest am Vergleichspapier.
Abb. 6: Abdruck des Pressbalkens nach dem Dreiseitenbeschnitt.
Abb. 7: Ergebnis des Karboniertests am Auflagendruck.

       


Mögliche Ursachen

Ein zu schnelles Wegschlagverhalten von Papier oder Karton führt dazu, dass das Bindemittel der Druckfarbe zu schnell in das Papier eindringt; das Farbpigment bleibt in der Folge ungebunden auf der Bedruckstoffoberfläche zurück. Dieser Effekt ist aufgrund der Kapillarwirkung der Oberfläche bei gestrichenen Bedruckstoffen häufiger zu beobachten als bei ungestrichenen Sorten. Zu begründen ist dies damit, dass es bei ungestrichenen Sorten wegen der grobporigen Beschaffenheit des Papiers weniger zur Kapillarwirkung und somit auch weniger zur Trennung Bindemittel/Pigment kommt.

Ein zu schnelles Wegschlagverhalten der Druckfarbe und/oder sehr niedrigviskose Druckfarben (z. B. nach dem Verschneiden mit Mineralöl) haben den gleichen Effekt zur Folge und können Abmehlen hervorrufen.


Mögliche Abhilfen

Wird das Abmehlen der Druckfarbe erst festgestellt, wenn die Druckarbeit beendet ist, kann die Auflage nur durch eine nachträgliche Lackierung (Dispersions- oder Drucklack) gerettet werden.

Wird bereits vor dem Druck (z. B. am Probedruckgerät) ein zu schnelles Wegschlagverhalten des einzusetzenden Papiers festgestellt, kann, soweit es die Oberflächenfestigkeit des Papiers zulässt, eine strengere (hochviskosere) Druckfarbe verwendet werden. Grundsätzlich ist es natürlich empfehlenswert, ein Papier oder einen Karton bzw. eine Druckfarbe mit optimalem Wegschlagverhalten einzusetzen.

Hat das eingesetzte Papier (Karton) oder die eingesetzte Druckfarbe ein zu schnelles Wegschlagverhalten, ist es ratsam, um eine weitere Viskositätsreduzierung des Mineralöls und somit schnelleres Wegschlagen zu vermeiden, auf die in den meisten Druckmaschinen integrierte Infrarottrocknung zu verzichten.


Beispiele

Unzureichende Wischfestigkeit beim Druck eines Kataloges:

Die gesamte Auflage eines im Bogenoffset gedruckten Kataloges konnte wegen starkem Farbabrieb nicht weiterverarbeitet werden. Speziell am Sammelhefter, bei dem immer der unterste Bogen im Stapel gezogen und auf die Transportkette abgelegt wird, zeigte sich ein deutlicher Farbabrieb (Abb. 2). Nachdem die gesamte Auflage bereits gefalzt war, war ein nachträgliches Lackieren nicht mehr möglich. Die Auflage musste demnach neu gedruckt werden. Zur Ursachenfindung bzw. zur Vermeidung des Problems im Neudruck wurde der Fogra Mustermaterial zur Untersuchung übersandt.

In einem ersten Test wurde die Wischfestigkeit der Drucke mit dem Fogra-WIKAT geprüft. Bei der Prüfung der Wischfestigkeit handelt es sich um eine einmalige Wischbewegung über die bedruckte Oberfläche unter definierten Bedingungen. Diese Prüfung eignet sich in erster Linie dazu, um Verarbeitungsvorgänge der Druckweiterverarbeitung, bei denen Druckfarbenabrieb durch eine einmalige Belastungssituation entsteht, praxisnah zu simulieren. Das Gerät wurde so konzipiert, dass die Anpressdrucke den in buchbinderischen Weiterverarbeitungsmaschinen auftretenden Belastungen entsprechen. Diese Prüfung ergab für die beanstandeten Drucke ein sehr schlechte Wischfestigkeit, also hohen Farbabrieb (Abb. 3).

Im nächsten Schritt wurde das Wegschlagverhalten des unbedruckten Auflagenpapiers im Probedruckgerät getestet. Dieser Test ergab für das eingesetzte Auflagenpapier ein extrem schnelles Wegschlagverhalten (Abb. 4). Ein Papier in vergleichbarer Qualitätsstufe zeigte demgegenüber wesentlich langsameres, also normal schnelles Wegschlagverhalten (Abb. 5).

Die Ursache der schlechten Wischfestigkeit der Auflagendrucke wurde insgesamt mit einem zu schnellen Wegschlagverhalten des Papiers begründet. Die Verarbeitung des Nachdrucks verlief unter Einsatz einer anderen Papiersorte und einer darauf optimal abgestimmten Druckfarbe ohne Probleme.


Karbonieren beim Druck eines Bildbandes:

Ein im Bogenoffset produzierter Bildband wurde vom Endkunden beanstandet, da sich bei einigen Seiten immer am äußersten Rand Farbabriebspuren zeigten. Nach Durchsicht der bereits ausgelieferten Exemplare zeigte sich, dass der Farbabrieb immer an unbedruckten Stellen auftrat, denen im geschlossenen Buch eine vollflächig bedruckte Seite gegenübersteht (Abb. 6). Aus dem Erscheinungsbild wurde deutlich, dass es sich dabei um Farbabrieb unter Druckbelastung, wie es z. B. beim Anpressdruck des Pressbalkens beim Dreiseitenbeschnitt vorkommt, handelte. Ein Karboniertest bestätigte diese Vermutung. Beim Karbonieren handelt es sich um Farbabrieb unter Druckbelastung, also ohne Bewegung, wenn sich eine bedruckte und eine unbedruckte Fläche dabei gegenüberstehen. Der Karboniertest wurde mit dem Fogra-WIKAT durchgeführt und zeigte für den Auflagendruck ein schlechtes Karbonierergebnis (Abb. 7). Da keine unbedruckten Papiermuster des Auflagenpapiers für weitere Untersuchungen zur Verfügung gestellt werden konnten, war eine Angabe über die genaue Ursache des schlechten Karbonierverhaltens nicht mehr möglich. Vor dem Neudruck des Bildbandes wurde im Labor eine optimal verträgliche Druckfarbe/Papier-Kombination ausgetestet; die anschließende Druckweiterverarbeitung erfolgte problemlos.


Allgemeine Hinweise

Für den Reklamationsfall

Druckausfallmuster sicherstellen.

Unbedruckte Papier- bzw. Kartonmuster und unbedruckte Vergleichsmuster sicherstellen (ca. 20 Blatt DIN A4). An diesen Mustern können im Labor vergleichende Wegschlagtests, Wischfestigkeitstests und Karboniertests vorgenommen werden.

Druckfarbenproben (aus dem Farbkasten) und evtl. Vergleichsfarben sicherstellen.

Produktionsdaten protokollieren.


Ergänzende Literatur

SCARLETT, T.:
Fehlersuche bei Druckschwierigkeiten.
In: Graphic Arts Monthly (Gram), Jg. 58, 1986 Nr. 4 (S. 72), engl.

PFEIFFER, B.:
Druckschwierigkeiten mit Offsetfarben (Teil 1).
In: Offsetpraxis Druckmagazin, Jg. 38, Nr. 7/8, 1996, (S. 56-58)

PANTEL, G.:
Fogra-Gutachten: Schnellschüsse.
In: Druckwelt, Nr. 9, 1996, (S.65)

.
.

xxnoxx_zaehler