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Buchdeckenwölbung

Buchdeckenwölbung tritt in der Regel erst beim Gebrauch der Bücher in beheizten Räumen auf. In der Heizperiode fällt die relative Feuchte in nicht klimatisierten Räumen auf Werte von unter 20 Prozent ab. Die Bücher geben Feuchtigkeit an die trockene Raumluft ab. Durch die Veränderung des Feuchtigkeitsgehaltes wird eine einseitige Wölbungstendenz, ähnlich wie bei einem Bi-Metall, hervorgerufen und es kommt zu einem Wölben der Buchdecke nach außen (Abb. 1).

Abbildungen (von links nach rechts)

Abb. 1: Wölbung an Buchdecken.
Abb. 2: Planlage von Buchdecken.
Abb. 3: Tellern des Buchblocks.
Abb. 4: Tellern des Buchblocks (Ausschnitt).
Abb. 5: Buchdecke schnabelt nach außen.
Abb. 6: Konvexe Verformung nach innen zum Buchblock.
Abb. 7: Wölbung der Buchdecke vor Reklimatisierung.
Abb. 8: Rückstellung der Planlage nach Reklimatisierung.

        


Mögliche Ursachen

Bei der Buchfertigung:

Die Druckpapiere für den Buchblock werden üblicherweise mit einer relativen Feuchte von 50 % angeliefert. Durch den Bogenoffsetdruck ändert sich an diesem Feuchtegehalt der Druckbogen nur wenig. Die Pappen für die Buchdeckenherstellung weisen in der Regel eine relative Feuchtigkeit von 60 % bis 70 % auf. Nach der Buchherstellung stellt sich in Büchern ein Gleichgewicht der relativen Feuchte von etwa 55 % bis 60 % ein. In diesem Zustand liegen die Buchdecken absolut plan (Abb. 2). Die Bücher werden in Kartons verpackt oder folienverschweißt zum Verlag versandt. Solange sie gepresst im Stapel liegen oder in ihrer Folienverpackung verbleiben, findet nahezu kein Feuchtigkeitsaustausch mit der Umgebung statt. Gelangen die Bücher dann aber in einen beheizten Raum und liegen lose und unverpackt aus, dann beginnt die Austrocknung des Buchblocks und der Buchdecke. Die Austrocknung des Buchblocks beginnt von den Blattkanten der Buchseiten her und kann zum sogenannten „Tellern“ des Buchblocks führen (Abb. 3 und Abb. 4). Die Ursache liegt darin, dass sich die Randbereiche der Blätter durch die Austrocknung zusammenziehen. Dadurch wölbt sich der Rand nach oben oder unten. Durch diese Verformung des Buchblocks wird auch die Buchdecke angehoben.

Bei der Buchdecke:

Sie wird von außen mit den unterschiedlichsten Materialien kaschiert wie: Leinen, Papier und Folien. Das Vorsatzpapier besteht in der Regel aus Papier. Wird der Einband in trockener Umgebungsluft gelagert, kommt es zu einer Wölbung der Buchdecke. In den meisten Fällen „schnabelt“ die Decke nach außen (Abb. 5). Dies ist vor allem bei leinenbezogenen Decken zu beobachten. Die dabei auftretenden Kräfte sind derart groß, dass das auf der Rückseite aufkaschierte Vorsatzpapier dem nichts entgegenzusetzen hat.

Es gibt jedoch auch Beispiele mit einer optisch günstigeren konvexen Verformung nach innen zum Buchblock (Abb. 6). Dies ist häufig bei folienkaschierten Decken zu beobachten, bei denen durch die völlige Sperre der Außenseite gegen Feuchtigkeitseinfluss keine Austrocknung möglich ist. Der Angriff erfolgt hier nur von der mit Vorsatzpapier kaschierten Rückseite. Ein weiterer Einflussfaktor der Wölbung liegt in der Beschaffenheit der Pappen. Bei den Pappen für die Buchdecken ist herstellungsbedingt eine gewisse Zweiseitigkeit nicht zu vermeiden, d. h. bei jeder Veränderung des Feuchtigkeitsgehalts (Befeuchtung oder Austrocknung) wird eine einseitige Wölbungstendenz, ähnlich wie bei einem Bi-Metall, hervorgerufen.


Mögliche Abhilfen

Der Buchbinder kann die naturgemäße Zweiseitigkeit der Deckenpappen nutzen und nach einem Vortest die Pappenseiten der Decke entsprechend zuordnen, so dass die Wölbung der Decke sich optisch günstiger nach innen richtet.

Die Verwölbung der Buchdecken ist ein reversibler Vorgang, und daher geht die Wölbungstendenz beträchtlich zurück, wenn wieder „normale" Raumklimaverhältnisse eintreten.

Weiterhin ist bekannt, dass nach mehreren Klimazyklen eine zusehends geringere Reaktion der Pappen in Form von Deckenverwölbungen auftritt.


Beispiele

Der Fogra wurden eingeschweißte Deckenbände übersandt, bei denen nach der Auslieferung eine Nichtplanlage der Decken reklamiert wurde.

Bei der Entnahme der noch eingeschweißten Bücher aus der Versandverpackung in der Fogra zeigte sich lediglich eine minimale Tendenz zum „Schnabeln“ (Nichtplanlage) der Buchdecken.

Zur Beurteilung der Klimaverhältnisse in den beanstandeten Büchern erfolgte eine Messung des relativen Feuchtegehalts der Buchblöcke. Die Ergebnisse der Feuchtemessungen wiesen bei den Büchern auf eine für im Bogenoffsetdruck „normale“ relative Feuchte von ca. 45 % hin.

Die eingeschweißten, plan liegenden Bände wurden anschließend für 72 Stunden bei einer Raumluftfeuchte von 20 % und einer Temperatur von 23 °C gelagert. Mit Andauern der Lagerung in trockener Raumluft veränderte sich die Planlage zu einer Wölbung der Buchdecken nach außen (Abb. 7). Umgekehrt wurden die nicht mehr plan liegenden Bücher anschließend wiederum für 72 Stunden bei einem Raumklima von 23 °C und 55 % rel. Luftfeuchte gelagert. Durch die Wiederbefeuchtung trat bei den Büchern eine deutliche Rückstellung der Planlage der Decken ein (Abb. 8).


Allgemeine Hinweise

Für den Reklamationsfall

Reklamierte Muster sicherstellen.

Raumklima prüfen.

Rel. Feuchte im Buchblock und in den Decken kontrollieren.


Ergänzende Literatur

STADLER, P.:
Einfluss von Produktionsparametern und Material auf das Planlageverhalten von Buchdecken bei variablem Raumklima.
München: Fogra, 1989 (4.034). – Forschungsbericht

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