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Rupfen

Unter Rupfen versteht man das Herausreißen von einzelnen Partikeln aus der Papieroberfläche bzw. das Aufreißen des Papiers oder Kartons beim Druckprozess (Abb. 1 und Abb. 2). Ein Rupfen des Papiers tritt vornehmlich beim Offsetdruck auf. Rupfen stört das Druckbild und führt zum häufigeren Waschen beim Druckprozess. Weiterhin kann das Drucktuch durch Herausreißen von großen Teilchen aus dem Papier beschädigt werden. Die herausgerissenen Strichpartikel bauen auf dem Drucktuch auf und beeinträchtigen in immer stärkerem Maße die Druckqualität.

Abbildungen (von links nach rechts)

Abb. 1: Rupfen, 40-fache Vergrößerung.
Abb. 2: Makrorupfen, 70-fache Vergrößerung.
Abb. 3: Papier mit leichter Rupfneigung.
Abb. 4: Papier mit starker Rupfneigung.
Abb. 5: Papier mit sehr starker Rupfneigung (Zerstörung des Probestreifens).

     


Mögliche Ursachen

Das Rupfen eines Papiers wird hervorgerufen durch kurzzeitige, senkrecht zur Papieroberfläche einwirkende Zugkräfte der Druckfarbe im Augenblick der Trennung des Drucktuchs von der Papieroberfläche. Ein Rupfen des Papiers tritt dann auf, wenn die von der Druckfarbe ausgeübte Zugkraft größer ist als die Haftung der Fasern im Papiergefüge bzw. die Bindung der Pigmente im Strich, also bei zu geringer Oberflächenfestigkeit. Bei ungestrichenen Sorten ist eine ungenügende Rupffestigkeit meist in einer unzureichenden Leimung zu suchen. Die heute vielfach bei Offsetpapieren angewandte Oberflächenleimung wirkt sich günstig auf die Oberflächenfestigkeit des Papiers aus. Das erste Stadium des Rupfens bei ungestrichenen Papieren, also das Anheben bzw. Herausreißen von einzelnen Fasern und Faserzusammenballungen kann durch eine unsachgemäße Trocknung der Papierbahn in der Papiermaschine hervorgerufen werden. Bei einer Überhitzung der ersten Trockenzylinder kann das Papier an der Zylinderoberfläche kleben und beim Ablösen können Fasern aus dem Papiergefüge angehoben werden, die dann beim Druckprozess gänzlich aus dem Verbund herausgerissen werden. Bei dieser Art der Oberflächenbeschädigung ist es oft schwierig festzustellen, ob Stauben oder Rupfen des Papiers vorliegt. Blättert man im bedruckten Stapel zurück bis zu den Bogen, bei denen der Fehler zum ersten Mal auftritt, so kann man mit einer Lupe beurteilen, ob es sich um lose Staubpartikel handelt, oder ob Teilchen aus der Papieroberfläche herausgerissen wurden.

Zu geringe Rupffestigkeit bei gestrichenen Papieren kann durch einen zu geringen Bindemittelanteil im Strich hervorgerufen werden, das schlechte Haften einzelner Partikel durch eine schlechte Vermischung der Streichmasse bzw. eine ungenügende Benetzung einzelner Strichpartikel. Ein Ablösen des gesamten Striches vom Rohpapier ist durch eine ungenügende Verankerung der Streichmasse auf der Papieroberfläche bedingt. Das Spalten im Rohpapier selbst ist auf eine ungenügende Masse-Leimung bzw. bei Karton auf zu geringe Haftung der Deckschicht (siehe Abheben der Kartonschicht) zurückzuführen.

Herausgerissene Papierbestandteile bleiben beim Offsetdruck auf dem Drucktuch haften und ergeben auf dem nachfolgenden Bogen eine Fleckenbildung bzw. Butzenbildung.

Beim Offsetdruck kann die Oberflächenfestigkeit bzw. Strichhaftung durch Feuchtmitteleinfluss beeinträchtigt werden. Im Mehrfarbendruck kommt es bei ungestrichenen Papieren zum Nassrupfen und bei gestrichenen Papieren zum Strichaufbauen (siehe dort). Dies geschieht erst im 2., 3. oder 4. Druckwerk.

Bei langer Laufzeit und/oder durch den Einsatz von aggressiven Reinigungsmitteln können Drucktücher ihre Oberflächencharakteristik stark verändern. Die Klebrigkeit der Drucktücher kann dadurch zunehmen, was ein Rupfen zur Folge haben kann.


Mögliche Abhilfen

Tritt ein Rupfen des Papiers auf, so wird man zuerst versuchen, die Zugkraft der Druckfarbe herabzusetzen, was sich durch Zusatz von Drucköl erreichen lässt. Dieses Verdünnen ist jedoch nur bis zu einem gewissen Grad möglich, da die Bildwiedergabe dadurch Verlust an Tiefe und Brillanz leidet, weiterhin steigt die Tonwertzunahme bei stark verdünnter Druckfarbe. Eine weitere Gefahr bei zu starker Verdünnung der Druckfarbe besteht darin, dass bei Verarbeitung von gestrichenen Papieren die Farben „abmehlen“ (siehe dort) und ein Emulgieren im Feuchtmittel und damit ein Tonen (siehe dort) gefördert werden kann. Das einfachste Mittel, ein Rupfen des Papiers zu vermeiden, besteht darin, die Druckgeschwindigkeit herabzusetzen. Das ist jedoch eine Maßnahme, die wegen der damit verbundenen Senkung der Produktionsleistung nur ungern in Kauf genommen wird. In manchen Fällen wird durch einen Firnis-Vordruck eine Verbesserung der Oberflächenfestigkeit erreicht. Gemäß der Tatsache, dass ein Rupfen vornehmlich an der hinteren Kante von Volltonflächen am Bogenende auftritt, kann man durch eine entsprechende Anordnung der Vollflächen in einer Druckform das Rupfen eines Papiers vermeiden. Volltonflächen sollen also nach Möglichkeit nicht an das Druckende des Bogens gesetzt werden. Eine Verminderung der Zugkraft der Druckfarbe lässt sich auch durch Erhöhung der Temperatur erreichen. Regelmäßiges Wechseln des Drucktuchs beugt dem Rupfen vor. Im Extremfall wird nur ein Papierwechsel Abhilfe schaffen.


Beispiele

Rupftest mit Vorfeuchtung

Um die Rupfneigung von Papieren beurteilen zu können, werden im Labor Rupftests mit dem Probedruckgerät durchgeführt.

Die Papiere werden unter folgenden Standard-Prüfbedingungen getestet:
- Prüfgerät: Mehrzweckprobedruckmaschine, System prüfbau
- Verreibzeit: 30 s
- Einfärbezeit: 30 s
- Druckfarbe: Rupftestfarbe Nr. 2 der Fa. M. Huber, München
- Farbmenge: ca. 1,5 g/m2
- Druckgeschwindigkeit: 1 m/s und 1,5 m/s
- Druckform: Gummi, 4 cm Breite
- Vorfeuchtform: Gummi, 2 cm Breite
- Feuchtmittel: 4 % IPA, 3 % Zusatz, aufbereitetes Wasser, 8 °dH
- Feuchtmittelmenge: 20 µl = ca. 1 g/m2
- Anpressdruck: 200 N/cm

Bei diesen Versuchen zeigt sich immer wieder, dass Papiere mit sehr ähnlichen Qualitäten gänzlich unterschiedliches Rupfverhalten zeigen (Abb. 3, Abb. 4 und Abb. 5).


Allgemeine Hinweise

Für den Reklamationsfall

Unbedruckte Muster und Vergleichsmuster sicherstellen, um verschiedene Messungen vorzunehmen (z. B. Oberflächenfestigkeit, Probedrucke mit und ohne Vorfeuchtung).

Druckfarbenproben aus dem Farbkasten sicherstellen.

Feuchtmittel aus dem Feuchtmittelkreislauf sichern.

Zustand der Drucktücher prüfen.

Druckausfallmuster bereitstellen (ca. 50 Bogen), um den Ursprungsbogen des Rupfens festzustellen.

Produktionsdaten sicherstellen.


Ergänzende Literatur

WESTER, F.:
Evaluation of wet pick and wet repellance tendency of paper with the IGT printability tester AIC2-5.
In: TAGA Proceedings (1989), S. 530

PANTEL, G.:
Gutachtenfälle aus der Praxis. In: Fogra-Symposium Fehler vermeiden, Kosten sparen, München, 21./22.
November 1991- Tagungsbericht

NIEßNER, G.:
Testmethoden im Offsetdruck für Druckfarben und Bedruckstoffe. Rupftest (Trocken- und Nassrupftest).
In: Druckfarbenecho, (1993), Nr. 5, S. 21-23

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